Strategischer Konsum ist angesagt.

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Foto: LA organic

Das Online-Portal utopia.de beschreibt ihn schon länger: Den strategischen Konsum vieler Menschen, die bewusst einen Lebensstil pflegen, der sich an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientiert. Wobei der Lifestyle-Aspekt, im Gegensatz zur früheren Ökologiebewegung, nun einen gleichberechtigten Anteil im Dasein von immer mehr Konsumenten hat.

Strategischer Konsum bedeutet, dass gezielt jene Produkte des Alltags beim Einkauf bevorzugt werden, die ökologisch und sozial verträglich produziert und vermarktet sind. Immer mehr Verbrauchern ist der Mehrwert solcher Produkte auch preislich mehr wert. Wo früher allein die Hochglanz-spiegelnde Parfumverpackung faszinierte, kommt es heute auf Transparenz an:  Das Produkt an sich, nicht sein Schein, ist der neue Maßstab der Konsumenten. Physische und soziale Verträglichkeit ist wichtig, ergänzt um individuelle Raffinesse und Glaubwürdigkeit in der werblichen Kommunikation.  Die Summe dieser Faktoren bildet den neuen Wert eines Produktes; er hat die Macht, sich über Markenhypes und angestammte Kaufgewohnheiten zu erheben.

Betrachten wir dieses veränderte Kaufverhalten, dem nach Aussage einiger aktueller Marktstudien bereits rund ein Drittel der Deutschen folgt, einmal aus der Sicht des alltäglichen Warenangebotes: Gab es früher etwa in Reformhäusern vereinzelt rückständig anmutende ‚grüne Ecken‘ so sind organische Pflege- und Reinigungsprodukte heute bisweilen vorherrschend. Ein ähnlicher Trend ist im Lebensmittelhandel zu verzeichnen, wo Bio-Waren Premium-Assoziationen beim Kunden wecken.  Früher tat man sich dann und wann eigennützig etwas Gutes, heute übernimmt man beim Einkauf gesellschaftliche Verantwortung.

Es gibt spannende Beispiele einer neuen Generation von Ladenkonzepten, die Nachhaltigkeit und strategischen Konsum gezielt und glaubwürdig fokussieren. Das französische Unternehmerpaar Marie-France und Bernard Cohen, finanziell unabhängig durch den Verkauf ihres Kindermodelabels Bonpoint, hat im Pariser Stadtteil Haut-Marais einen ungewöhnlichen Concept Store eröffnet: MERCI bündelt in einem beeindruckenden Industrieloft Lifestyle-Produkte der verschiedensten Branchen – und stiftet seine Gewinne vollständig an karitative Einrichtungen, z.B. für Kinderhilfsprojekte in Madagaskar.

Ein weiterer Clou des MERCI-Stores ist die Kooperation mit bekannten Designern aus dem Luxus-Genre, die dort exklusiv eigene Kollektionslinien anbieten. Die Stardesignerin Stella McCartney etwa liefert MERCI Kleidermodelle aus früheren Saisons in neuen Stoffen, diese werden im Concept Store bis zu 40% unter dem regulären Preis eines McCartney-Entwurfes angeboten. Der positive Effekt wirkt mehrfach: Weltweite Exklusivität des begehrten Designer-Produktes, reelle Preisvorteile,  Kundenidentifikation par excellence, zugleich der Zusatznutzen durch die Unterstützung von Hilfsorganisationen. Hier gewinnen alle.

Im Herzen der Regensburger Altstadt eröffnete in diesen Tagen ein weiterer Concept Store, der sich nachhaltigem Handeln verschrieben hat: Ludwig3, über den hier im Blog schon berichtet wurde, wird von einer erfahrenen Händlerfamilie geführt, die bislang in den selben denkmalgeschützten Räumen Franchisenehmer des Modelabels Bogner war. Nun werden neue Zeiten eingeläutet: Ein inspirierender Mix von Produkten aus zunächst  scheinbar gegensätzlichen Branchen schafft ein eigenes Paralleluniversum für nachhaltigen Konsum. Ökologische Couture-Mode wird mit Bio-Chardonnay und Eiszeitwasser kombiniert, grüne Designermöbel ergänzen Solarstrom-erzeugende Taschen, Bio-Olivenöl in Philip Starck-Kanistern und organische Kosmetik-Produkte.

Beispielhaft für neue Orte des inspirierten und verantwortungsvollen Konsums sind auch die geplanten Zunfthallen in Berlin. Hier entstehen in historischen Baudenkmälern in den Bezirken Tiergarten und Friedrichshain authentische Orte, an denen Menschen, die das Besondere in einer besonderen Umgebung suchen, wertige Güter und Dienste des täglichen Lebens finden. Es werden Güter gehandelt und Dienste erbracht, die individuelle Problemlösungen liefern. Die einzelnen Produkte sind handwerklich, nachhaltig und fair gefertigt. Die räumliche Bündelungsstrategie des Projektes bietet Händlern, denen die Mieten der so genannten guten Lauflagen sonst die überlebenswichtigen Margen drücken, eine gute Nachbarschaft zu fairen und planbaren Konditionen.

Bevor die großen Handelsunternehmen also weiter nach vermeintlichen Erfolgsgaranten wie hochkalkulierten Eigenmarken und der möglichen Verdrängung des uniformen Wettbewerbs suchen, sollten sie sich zur Inspiration vielleicht einmal mit offenen Augen nach Paris, Regensburg oder Berlin begeben. Die Kunden tun es bereits.

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