10 Fragen an Sugartrends.

Das Online-Shoppingportal SugarTrends bringt lokale, inhabergeführte Läden ins Netz und macht ihre Produkte global online kaufbar. Das haben die Macher mit Sitz in Köln zwar nicht erfunden, leben ihre Idee aber mit sichtbar stärkerer Empathie für die eigene Identität jedes Händlers als andere virtuelle Marktplätze. Die Besitzer stellen ihr Geschäft meist persönlich vor und bei der Produktauswahl wird der Focus mehr auf Individualität als auf große Marken gesetzt.

tim10 Fragen an Tim Lagerpusch, Mit-Gründer von SugarTrends, über Ziele und Hürden des Start-Ups:

1)      Andere Online-Marktplätze haben Millionen Produkte von Tausenden Händlern in ihrem Shop, bei Euch ist das Angebot noch überschaubarer. Seht Ihr SugarTrends eines Tages in ähnlichen Dimensionen?

Wenn man unser Wachstum im letzten Jahr ansieht ist die Anzahl der Läden von 95 zu rund 200 Läden gewachsen. Die Anzahl der damit verbundenen Produkte hat sich verfünffacht. Unsere Erwartungen für 2016 sind 1.000 Läden und mindestens rund 30.000 Produkte. Dadurch würden wir den Internetgiganten ein großes Stück näher rücken. Weltweit existieren über 2 Millionen Läden, welche $200 Milliarden Umsatz machen. Davon fokussieren wir momentan rund 10.000 Läden, was in etwa $600 Millionen Umsatz für SugarTrends ausmachen würde. Dementsprechend sehen wir SugarTrends als stetig von Bedeutsamkeit steigenden Faktor im Vergleich zu anderen Online-Marktplätzen.

2)      Welches sind die häufigsten Vorbehalte von Händlern, bei Euch mit zu machen?

Die meisten Ladeninhaber sind glücklicherweise von der Idee und dem Konzept von vorne herein begeistert. Der größte Vorbehalt ist ihre Zeit. Ladeninhaber sind oft allein in ihrem Laden tätig und sind zeitlich eingeschränkt sich um einen Online-Shop zu kümmern. Aber dafür bieten wir immer mehr Möglichkeiten, wie zum Beispiel, dass wir ihren Online-Shop einrichten und pflegen. Wir arbeiten momentan stark an weiteren Konzepten, womit wir Ladeninhaber entlasten können, sodass sie neben ihrem Laden noch die Möglichkeit haben Online aktiv zu sein.

3)      Welche Kriterien eines Ladens sind Euch wichtig, um ihn in das Portal aufzunehmen?

Ein typischer SugarTrends Laden ist gut dekoriert, führt einzigartige Produkte und hat eine individuelle Identität. Die geführten Marken sind größtenteils lokal oder regional und die Ladeninhaber stehen oftmals während der Öffnungszeiten zur Beratung bereit. Bei SugarTrends sind die besonderen Läden, an die man sich nach einer Reise erinnert und bei denen man immer wieder gerne einkauft. Ihre Produkte sind qualitativ hochwertig, wodurch wir auch unseren SugarTrends-Kunden exklusive Produkte garantieren können. Dadurch heben wir uns von vielen anderen Online-Marktplätzen ab.

4)      Wie organisiert sich SugarTrends? Wie kommt Ihr an neue Läden?

Wir haben so genannte „Trendhunter“, die durch die Straßen gehen und nach speziellen Läden Ausschau halten. Wir informieren sie im Voraus über unsere Kriterien, die wir an unsere Läden stellen, so dass sie wissen, welche Art von Geschäften wir suchen. Darüber hinaus bewerben sich viele Geschäfte initiativ für unsere Plattform und wir erhalten auch eine Menge von Empfehlungen von Kunden per E-Mail oder in unserem Live-Chat. Also: falls ihr einen einzigartigen Laden kennt sind wir jeder Zeit offen für Empfehlungen und schauen uns jede einzelne Empfehlung im Detail an.

5)      Mein Eindruck ist, daß die Produktauswahl derzeit stark in Richtung Lifestyle, Geschenke & Co. geht. Wollt Ihr das Angebot noch erweitern um Produkte des täglichen Bedarfs, z.B. Alltags-Lebensmittel, Drogerieartikel oder Elektronik?

Wir schließen generell keine Produkte aus. Wenn der Laden besonders ist und auch besondere Elektronikprodukte, Drogerieartikel oder Alltags-Lebensmittel vertreibt dann sind diese natürlich herzlich willkommen auf unserer Plattform. Inzwischen führen wir sogar schon einige Produkte aus diesen Bereichen, welche man zum Beispiel in den Kategorien Beauty oder Feinkost finden kann.

6)      Ein Riesenthema ist ja Click & Collect, also die aktuelle Verfügbarkeit von Produkten in Läden online checken zu können, um sie dann direkt im Geschäft abzuholen. Wie stellen Eure Händler die Aktualität der Warenbestände im Shop in Echtzeit sicher?

Unsere Ladeninhaber haben die Möglichkeit ihre Bestände per Smartphone oder Tablet direkt in ihrem Laden auf den aktuellsten Stand zu bringen. Demnach sind die Bestände bei SugarTrends immer entsprechend denen im Laden. Das kann auch sehr hilfreich für Kunden sein, die sich vorab online erkundigen wollen und dann im Laden einkaufen gehen. Click & Collect kann eine schöne Art Geschenke zu vergeben sein. Man kauft das Geschenk online und lässt den Beschenkten das Geschenk als Überraschung direkt im Laden abholen. Das haben wir schon häufig erlebt und hat allen Beteiligten immer viel Freude gebracht.

7)      Gibt es Beispiele von Händlern, die ihre Umsätze durch SugarTrends messbar steigern konnten?

Ja. Wir konnten schon Läden verzeichnen, die durch SugarTrends ihren Umsatz um rund 20% steigern konnten. Wir glauben stark daran, dass der Einzelhandel mehr und mehr online ausgeführt wird. Ich denke jedoch, dass der Offline-Handel im Laden nie ganz aufhören wird. Hier kann man eine große Überschneidung zwischen den beiden Komponenten beobachten. Wer einmal in einem Geschäft gekauft hat, kommt oftmals wieder und kauft im Online-Shop weiter. Wir haben viele Kunden, welche die Geschäfte kennen und ihnen gegenüber sehr loyal sind. Sie sind sehr glücklich darüber, auch die Möglichkeit zu haben online bei ihnen zu kaufen. Darüber hinaus glauben wir, dass die Online-Aktivitäten der Läden ein entscheidender Faktor für ihren Offline-Erfolg sind. Menschen fordern mehr und mehr Online-Shopping und Kommunikation. Demnach glauben wir, dass jeder Laden durch einen Online-Auftritt seinen Umsatz messbar steigern kann.

8)      Was kostet die Läden ihre Präsenz auf Eurem Portal?

Momentan erhalten wir eine Vergütung des Ertrags des jeweiligen Ladens. Die Einrichtung ist kostenfrei und wir erheben bislang keine Grundgebühr.

9)      Eure Geschäfte sind auf der ganzen Welt verteilt. Was hältst Du von den rein lokalen Online-Marktplätzen in Städten, z.B. in Wuppertal?

Generell finde ich diese Online-Marktplätze gut, denn sie verfolgen das gleiche Ziel wie wir: den Einzelhandel den Kunden auch online näher zu bringen. Im Grunde kann man SugarTrends auch als einen Online-Marktplatz für viele einzelne Städte sehen und ich glaube, dass die Bedeutung von SugarTrends für den Einzelhandel in den individuellen Städten immer bedeutsamer wird. Was uns natürlich differenziert ist, dass wir uns nicht auf eine Stadt beschränken und die Möglichkeit bieten aus sämtlichen Städten weltweit einzukaufen. Ziel ist es nicht nur ein regionales Netzwerk an Läden sondern eine internationale Community, die sich gegenseitig unterstützen, zu schaffen. Unser Motto für die Läden ist „Vereint gegen die Giganten“.

10)   Ich glaube an eine neue Aufmerksamkeit der Kunden für die Notwendigkeit und die Mehrwerte des stationären Handels, wenn Onlineshopping zunehmend normal geworden ist. Du auch?

Ja ☺. Ich denke, dass Onlineshopping bereits normal geworden ist und wenn man sich momentan die Besucher in der Stadt anschaut sind die meisten Läden dennoch total überfüllt. Eine Online-Präsenz ist sehr unterstützend oder auch ein 2. Standbein für einen Laden aber der stationäre Handel wird sich in meinen Augen nie auflösen, da die Leute viel zu gerne einkaufen und durch die Läden bummeln gehen. Wir sprechen sogar von der „Renaissance der kleinen Läden“. Bestand haben werden aber nur die Läden, die mit der Zeit gehen und dem Kunden das bieten was ihn begeistert.


Noch eine Anmerkung in eigener Sache: Auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für meinen Schwager wurde ich auf SugarTrends fündig: Ein Paket ausgefallener Senfsorten im Shop des Kaufhaus Hamburg. Also habe ich vormittags bestellt, nachmittags die Versandbestätigung erhalten und am nächsten Morgen war die Lieferung da. Das kann also auch der stationäre Handel – mitten im Weihnachtsgeschäft – und bei mir bleibt das gute Gefühl, einen individuellen Einzelhändler statt Logistikkonzerne unterstützt zu haben.

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