Kristallene Konsumk(r)ämpfe in Las Vegas.

Foto: Spiegel.de

Immer verzweifelter werden weltweit die Anstrengungen, künstliche Einkaufs- und Erlebniswelten aus der Retorte zu schaffen und immer wahnwitziger die Investitionen: Der gerade eröffnete CityCenter-Komplex am Strip in Las Vegas (Claim: „Capital of the new world“) verschlang 8.500.000.000 US-Dollar an Geldern ausschließlich privater Investoren – das größte Projekt dieser Art in der Geschichte der USA. Typisch Amerikanisch sind die superlativen Dimensionen in Größe, Kosten und Bau-Geschwindigkeit. Der bröckelnd-superlative Staat Dubai hat übrigens die Hälfte der Investionen dazu gegeben, in künstlichen Welten kennt man sich hier schließlich aus.

Foto: Focus.de

Herz des Hotel- und Casinokolosses ist das Shoppingcenter Crystals, entworfen vom superlativen Stararchitekten Daniel Libeskind. Wie Superman’s heiliger Gral (s. Foto oben) mutet es an, jener fiktiven Comic-Parallelwelt, voll von Kristallen, in der übrigens bisweilen auch Gefahr für den Superhelden droht und in der Kämpfe in Hollywood-Manie(r) ausgefochten werden. Geborgenheit findet Clark Kent hier nicht, dazu kuschelt er sich lieber gelegentlich mit Gattin Lois Lane im Greenwich-Village-Apartment ins Sofa.

Im real-existierenden Crystals haben sich die Superhelden der internationalen Feudalmarken mit ihren Flagshipstores angesiedelt, umspielt von entrücktem Luxus in einer pseudo-urbanen Architektenwelt. Als sei das neu. Einstmals traditionsbewußte Marken wie Prada, Louis Vuitton, Gucci, Tiffany oder der neapolitanische Schneider Kiton suchen ihr aufschwingendes Wirtschaftsheil hier und drängen dem kritischen Beobachter das Gefühl auf, sie hätten ihre manufakturiellen Unternehmens-Seelen endgültig dem Konsumhype verraten und ließen sich von jedweder kultureller Un-Identität vereinahmen – wie Timm Thaler, der, allerdings rein prosaisch, sein geliebtes Lachen an den Teufel verkaufte.

Immerhin erkannte Libeskind, daß es ein atemberaubend spektakulär einzigartiges Novum in Las Vegas sein würde, Tageslicht in die heiligen, eiskalt klimatisierten Hallen scheinen zu lassen. Das blinkende Gebäude aus Stahl und Glas kämpft nun, bis zu seinem innovationsgetriebenen Abriss in – sagen wir – 25 Jahren, in tiefster Wüste seinen teuren Klimakampf gegen die natürlichen Elemente. Und es wird vom Architekten zudem als Innovator der Urbanität von ganz Las Vegas verpflichtet. Nirgendwo sonst gibt es hier schließlich Läden, Hotels, Gastronomie und Flanierkultur – mit echtem Tageslicht! Es bleibt der Eindruck: wo nichts war, ist auch nichts Neues entstanden – da haben 8,5 Milliarden Dollar ihre gesellschaftsverantwortliche Chance verpasst.

Foto: Spiegel.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s