Per App durch die Mall? Nein danke.

Bild: thegrumbler.net/Victor Kerlow
Bild: thegrumbler.net/Victor Kerlow

Es ist wohl eine Verzweiflungstat der ECE-Manager: Heute geben die Shopping Mall-Betreiber stolz bekannt, dass sie sich ihre Kunden der Zukunft als Smartphone-abhängige Konsumzombies vorstellen – und finden so doch geschickt eine pseudo-modernistische Ausrede zur Hoffnungslosigkeit der Einkaufszentren. Aber sie finden keine Lösung.

Die Presseerklärung der ECE über die, seit heute prototypisch zu sogenannten Future Labs mutierten, Standard-Malls „Alstertal-Einkaufszentrum“ (Hamburg) und – ausgerechnet dem Moloch – „Limbecker Platz“ (Essen) ist für die Zukunft der Shopping Malls entmutigender als vieles, das die Betreiber in der Vergangenheit zur überfälligen Attraktivitätssteigerung ihrer Kolosse erdachten. So sieht man bei ECE allen Ernstes das Seelenheil der EKZ’s darin, dass die Besucher mit der Nase im ECE-App durch die Mall streifen. Auf der Suche nach Angeboten, die ohnehin keiner sucht. Und die mehrheitlich natürlich nicht von den Händlern bereitgestellt werden, sondern von speziellen ECE-Scouts, die die Geschäfte danach absuchen und im App bereitstellen. Soviel zum Thema Einbindung der Händler in ein Gesamtkonzept – wer aber 1000+ multiplizierte Filialen betreibt, hat keine Ressourcen für lokale Marketingaktivitäten seiner Vermieter.

Und dass es dann freies WLAN und Großbildleinwände mit Twitter-Walls in den Malls gibt, ist nur konsequent. Nur so kann es gelingen, die Aufmerksamkeit der Besucher vollends von der, vielleicht noch vereinzelt verbliebenen, Individualität und Anziehungskraft des Ortes abzulenken. Es ist der perfekte (und global ausrollbare) Weg, jegliche (offenbar unerwünschte?) Rest-Inspiration durch das besondere Warenangebot oder die einzigartige, lokale Atmosphäre eines Einkaufszentrums zu verhindern. So reduzieren sich Malls hausgemacht nicht nur auf Online-Preisvergleiche (die auf dem Smartphone längst im Nachbar-App lauern), sie verzichten auch auf ihren nebensächlich gesellschaftlichen Auftrag: Menschen zusammen zu bringen und ihnen schöne Dinge, eine schöne Zeit anzubieten.

Kommunikation, Begegnung, Austausch, Spass und überraschende Erlebnisse sind die einzelhändlerische Chance der Zukunft – offenbar wohl ohne Beteiligung der ECE.

2 Gedanken zu “Per App durch die Mall? Nein danke.

  1. Immerhin ist es die Nagelprobe, ob Mobile Couponing, Indoor Mapping und andere Auswüchse des neuen digitalen Handelsmarketings tatsächlich massenkompatibel sind. Mir ist es lieber, die EKZ testen es am „lebenden Objekt“ als irgendwelche Future Stores in Hintertupfing. Über die zeitgenössiche Konsum- und Retailkultur kann man freilich auch ohne diese Pressemitteilung streiten.

  2. Ein Artikel der nachdenklich macht und vieles beleuchtet was schon lange Zeit Unbehagen auslöst! Letztlich aber ist es auch ein Beleg dafür, dass die Shoppingcenter zu diesem Marketinginstrument greifen, weil ihnen die Kundschaft nicht mehr voll die Treue hält. Was auch nicht verwundert. Kennst du eins, kennst du alle!

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