Neue Slowretail-Serie: Der Kiosk.

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Foto: Wikipedia

Des Einzelhandels kleinste Einheit ist er nicht. Dieses Privileg hat der Bauchladen. Als weltverbreitetes Kleinod ist der Kiosk aber ein architektonisches Unikum, das früher ganz anderen Zwecken als dem Handel vorbehalten war. Mit dieser Slowretail-Reihe werden in loser Folge Geschichten um Kioske in aller Welt vorgestellt, wir starten mit zwei zeitgenössischen Beispielen.In seiner Urform stammen Wort und Gebäudeform aus dem Persischen und bezeichneten freistehende Pavillons, die der Erholung an Aussichtspunkten dienten. Im osmanischen Reich war der Kiosk als „Lust-Gebäude“ sogar finales Ziel ausgiebigen Lustwandelns. In Deutschland bezeichnet der Begriff Kiosk seit 1900 mißverständlich kleine Verkaufsbuden in den Städten und hat hierzulande seine romantische Bedeutung den Pavillons vollständig überlassen.

In Paris trat der Kiosque seine neue Rolle als freistehende Ladeneinheit an, in der zunächst Blumen, Zeitungen und Erfrischungen angeboten wurden. Einige Beispiele sind dort heute noch erhalten, die Lust machen, sie modern zu interpretieren und zu bestücken.

kioskiosk
Foto: Kioskiosk

Dies geschieht dieser Tage in England: Kioskiosk ist eine Initiative des Designers Jack Hemingway, der ein mobiles Kiosk-Format geschaffen hat. Es tourt durch die britischen Großstädte und bietet jungen Designern temporär eine Vermarktungsplattform ihrer Produkte – kostenlos und mietfrei. Bis Dezember 2009 ist das Projekt in Nottingham präsent, weitere Stationen folgen. Durch die vorübergehende Platzierung in vielbesuchten Einkaufsstrassen haben Vertreter der Kreativwirtschaft die chancenreiche Möglichkeit, sich einem breiten Publikum zu präsentieren.

legespiel
Foto: BerlinKiosk

Studenten der UdK Berlin haben sich für die Semesterarbeit BerlinKiosk die Mühe gemacht, das Format Kiosk spielerisch in seine Raster zu zerlegen. Zitat: „Die Beschäftigung mit dem Verkaufsraum Kiosk öffnet den Blick für komplexe Zusammenhänge zwischen Vielfalt, Platzmangel und dem Erfordernis der Reduktion.“ Entstanden sind bisher ein Legespiel aus Holz und ein 80-seitiges Buch (das einen Verleger sucht).  Wie die modulartige Bastelei funktioniert, kann hier erfahren werden.

jonas verlag
Foto: Jonas Verlag

Ein wunderbares Standardwerk über die Geschichte und Gegenwart des Kiosk hat Elisabeth Naumann im Marburger Jonas Verlag erscheinen lassen. Wer einen vorzeigbaren oder erhaltenswerten Kiosk kennt, kann ihn gerne unten im Kommentarfeld eintragen, Slowretail wird dann darüber berichten.

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