Alexa hat eine Idee.

Die Einkaufsstadt am Berliner Alexanderplatz namens Alexa wird im nächsten Jahr schon zehn. Heißt es eigentlich Die Alexa (-Mall), Der Alexa (-Komplex) oder Das Alexa (-Einkaufszentrum)? Auf jeden Fall ist Alexa mächtig sächlich: Schon bei der Eröffnung 2007 bezeichnete Wowi den Bau als „Klotz“ und „keinen Partner für Liebe auf den ersten Blick“.

Offenbar empfinden das die Besucher anders, oder es ist ihnen schlicht egal.
Das sind (lt. offizieller Angabe) immerhin rd. 16 Mio. Menschen pro Jahr, davon 7 Mio. Touristen, die sich aus einer maximal potentiellen Frequenz von 90 Mio. Alexanderplatz-Tummlern p.a. während der Alexa-Öffnungszeiten rekrutieren. Da ist also noch etwas Luft nach oben. In die Breite eher nicht, denn 55.000 qm Verkaufsfläche mit ‚über‘ 185 Läden sorgen bereits für eine Belegung von 2,5 ha öffentlichem Raum im Berliner Stadtzentr… Warum hier nur Zahlen stehen? Weil es über Alexa’s eigenständigen Charakter, die inhaltliche Gesinnung und austauschbaren Organe, sprich Mieter, weiter nichts nennenswertes zu berichten gäbe – wäre da nicht jetzt diese Idee.

Alexa hat die Idee, sich jetzt aufzuladen. Mit ihrer Initiative First Store starten sie einen Kreativwettbewerb, der dem Zehnjährigen im kommenden Jahr wohlwollende PR bescheren soll. Das Ganze fokussiert Läden der Avantgarde oder zumindest solche Handelspartner, die sich dafür halten und die den Eichtest der harten Jury überstehen. Für die anderen Aspiranten hat Alexa dann offenbar kein Foto.
Während im Bikini im Westen von vornherein temporäre Flächen im Erdgeschoss für wechselnde Pop-up’s freigehalten werden, galt hier im Osten bisher das klassische Gesetz der Marktwirtschaft. Wer die Konditionen erfüllt, darf bei Alexa bleiben.

Nun aber geht es um max. 307 qm Verkaufsfläche in zwei Einheiten (1 x max. 233 qm, 1 x max. 74 qm), die für max. 6 Monate mietfrei (!) möglichst maximal kreativen Konzepten zur Verfügung gestellt werden möchten. Das sind grob und max. 0,0056 % Flächenanteil des gesamten Verkaufs-Apparates. Immerhin im EG verortet.

Am Wettbewerb teilnehmen können Ideengeber oder Unternehmen, die sich unter einem der beiden Cluster „Best Newcomer“ oder „Best Brand“ einsortieren lassen (möchten). Ersterer kriegt dann im Zuschlagsfall die kleine Fläche und Sachleistungs-Unterstützung beim Branding, Marketing, Ausbau. Der Gewinner der zweiten Kategorie darf sich auf der größeren Fläche austoben, muss den ‚veredelten Rohbau‘ aber auf eigene Kappe herrichten. Klar, für sechs Monate nur, dann muss alles wieder besenrein sein. Das dauerhafte Bleiben werden sich beide bei einer späteren Monatsmiete um 200 € pro qm unter Umständen nicht leisten können.

Beide Newcomer bringen der Förderungsinstitution Alexa also in den kommenden 6 Monaten keine Miete, sie zahlen aber natürlich die Nebenkosten (netto 5.700 € im Laden 1, netto 17.400 € im Laden 2, das steht schon im Vertrag). Ihr Avantgardisten könnt ja schon mal sparen, wenn Ihr dabei sein wollt. Aber Achtung! Das Zeitfenster ist denkbar knapp: Bereits Ende November 2016 muss die Bewerbung eingereicht sein, damit sich ‚Public‘ und Jury bis 31.03.2017 ganz schnell entscheiden können. Schließlich soll bereits waghalsige sieben Monate später, am 29. Oktober 2017, Eröffnung sein. Das ist dann natürlich ein verkaufsoffener Sonntag.

Der, dem oder ditt Alexa wünsche ich ganz viel Spaß beim Inhalieren spannender Store-Konzeptideen (vielleicht hilft’s) und tolle, volle Pressekonferenzen im Verlauf der 1 1/2 Jahre. Allen Bewerbern viel Erfolg und – die Hoffnung stirbt nie – eventuell ist das Ganze ja zumindest ein Anstoß für andere Malls, mehr Individualität in ihren Hallen temporär, vielleicht gar fair, zuzulassen.

(Titelfoto: Wikimedia Commons)

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