Dries van Noten in Antwerpen.

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Der inflationär bemühte Gattungs-Begriff „Flagship-Store“ ist eigentlich nicht der richtige für manche Läden, die als stolze Botschafter die Fahne für ihr Markenuniversum und ihre Produktwelt hochhalten. Es gibt weltweit nur ein paar Dutzend davon, denen man wirklich ansieht, dass sie ihre ganze eigene Identität entwickelt haben und dadurch faszinieren.

Der Laden des belgischen Designers Dries van Noten in Antwerpen gehört nicht zur Avantgarde der Modetempel, ist kein künstliches Architektenprodukt. Im historischen Kaufmannshaus „Het Modepaleis“, das wie die flandrische Antwort auf New Yorks Flatiron-Building anmutet, hat Herr van Noten seinen ersten Laden vor gut einem Jahrzehnt eingerichtet. „Dries van Noten in Antwerpen.“ weiterlesen

Eine Zeitkonserve: Schambach Berufskleidung.

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Aus dem Buch „Zeitkonserven – Frankfurter Traditionsgeschäfte“.

„50 Jahre und zehn Monate.“ Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. Die Frage war nicht, wie alt Christa Kolb ist, sondern wie lange sie schon bei der Firma Schambach angestellt ist. Sie sei direkt nach der Volksschule in das traditionsreiche Fachgeschäft an der Konstablerwache gekommen und habe da ihre Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann begonnen. „Die Bezeichnung Einzelhandelskauffrau gab es zu der Zeit noch nicht“, erinnert sich die heute 65-Jährige.

Gelernt habe sie noch beim alten Herrn Schambach, dem Vater von Hannelore Schambach, die leider im Januar 2009 verstorben ist. Frau Kolb ist sichtlich gerührt vom Verlust ihrer Chefin. „Wir sind alle sehr, sehr traurig, dass sie nicht mehr unter uns ist“, sagt sie. Sie zieht die Trauerkarte, die vor ihr auf dem Schreibtisch steht, näher heran. „Das ist sie.“ Sogleich verbessert sich Frau Kolb. „War sie.“ „Eine Zeitkonserve: Schambach Berufskleidung.“ weiterlesen

Feinkost Rogacki in Berlin.

Seit über 80 Jahren rätselt tout (West-)Berlin darüber, wie der Name dieses Ladens eigentlich ausgesprochen wird: Rogakki oder Rogatzki. Dietmar Rogacki, der Chef, sagt dazu: „Sprechen Sie’s doch aus, wie Sie wollen.“. Dieses phonetische Rätsel zieht sich bereits durch seine drei Familiengenerationen, tut der Beliebtheit des Ladens bei seinen qualitätsverwöhnten Kunden aber keinen Abbruch. Die sagen in der Regel einfach beide Versionen, wenn sie Nachbarn … Feinkost Rogacki in Berlin. weiterlesen

Die Kaffeemanufaktur La Messicana in Modena.

Foto: La Messicana, Modena

Im Herzen der Emilia Romagna in Italien, wo zahlreiche und weltweit bekannte Genussprodukte wie Parmigiano Reggiano, Lambrusco oder der Aceto Balsamico tradizionale ihren Ursprung haben, ist die familiengeführte Kaffeemanufaktur ‘La Messicana‘ zu Hause. In einer schönen Seitenstrasse der Via Emilia in Modena gelegen befindet sich das Ladenlokal der Kaffeemanufaktur, dessen Wände mit dunkelbraunen Kieselsteinen den Anschein gerösteter Kaffeebohnen erwecken. Im Schaufenster befindet sich ein antiker Trommelröster, denn noch bis vor einigen Jahren wurde der Kaffee im Laden hergestellt, heute wird etwas ausserhalb der Stadt geröstet. „Die Kaffeemanufaktur La Messicana in Modena.“ weiterlesen

Savile Row Bespoke.

Foto: savilerowbespoke.com

Die Londoner Strasse Savile Row gilt weltweit als Synonym für die Kunst und das Handwerk der englischen Maßschneiderei. Der Savile Row Bespoke-Verband vereint die Gründerväter der „Row“ mit neuen Schneidern des „new establishment“, deren gemeinsamer Beruf sie im Stadtteil Mayfair über zwei Jahrhunderte lang etabliert hat.

Maßschneiderei ist die Haute Couture für Männer und die Savile Row hat jedes Testimonial der männlichen Eleganz von Nelson, Valentino und Astaire bis Sinatra, Jagger und Jude Law eingekleidet. Nicht zu erwähnen gekrönte Häupter, Staatsmänner und Kapitäne der Industrie, deren Namen zu nennen man hier viel zu diskret ist. „Savile Row Bespoke.“ weiterlesen

Eine Zeitkonserve: Angel Bär.

Foto: http://www.haraldschroeder.de

Aus dem Buch „Zeitkonserven – Frankfurter Traditionsgeschäfte“.

Dass Bären gute Fischer sind, ist allseits bekannt. Man denke nur an die Grizzlybären in Nordamerika, die in reißenden Flüssen die fettesten Lachse fangen.

Aber auch in Frankfurt gibt es einen Bären, der sich aufs Angeln spezialisiert hat- und das schon seit dem Ersten Weltkrieg. „Wann genau der Laden eröffnet wurde, ist unbekannt. Die Unterlagen sind während des Zweiten Weltkriegs verbrannt. Meine Familie führt die Geschäfte jedoch seit knapp 30 Jahren“, sagt Jörg Kraft.

Er selbst hat den Laden vor 16 Jahren von seinen Eltern übernom­men. „Mein Vater ist ein begeisterter Angler, aber dass er einmal für seine Familie die Brötchen mit seinem Hobby verdienen würde, das hat er sich auch nicht erträumt“, erzählt der 40-Jährige. Doch dann habe sich dem gelernten Restaurator 1980 die Gelegenheit geboten, das Angelfachgeschäft in der Braubachstraße zu über­nehmen. Und die Chance habe der Vater ergriffen. „In einer Kneipe haben sich mein Vater und der Vorbesitzer per Handschlag ge­einigt. Das ging damals noch“, sagtJörg Kraft. Denn damals habe noch das Wort gezählt. „Eine Zeitkonserve: Angel Bär.“ weiterlesen

12.12.09: Erster Carrotmob in Frankfurt.

Der Carrotmob ist eine besondere Form des Smart Mob. Unterstützer werden dazu aufgerufen, bei einem ausgesuchten Laden an einem bestimmten Tag einzukaufen. Der Ladenbesitzer hat zuvor seine Bereitschaft erklärt, einen festgesetzten Teil seines Gewinnes, den er im Rahmen des Carrotmobs erzielt, in eine klimagerechte Sanierung seines Ladens zu investieren. „Wir halten der Wirtschaft die Karotte hin“, so Brad Burton, US-amerikanischer Mitinitiator der mittlerweile weltweit aktiven … 12.12.09: Erster Carrotmob in Frankfurt. weiterlesen

Die Lebküchnerei Woitinek in Nürnberg.

Foto: Lebküchnerei Woitinek

Original Nürnberger Lebkuchen erster Qualität fertigt die Lebküchnerei Woitinek seit über 100 Jahren. Dies nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern ganzjährig! Suchtgefahr inklusive.

Die Woitineks produzieren, im Gegensatz zur industriellen Massenware, noch handwerklich im Familienbetrieb. Die Elisen-, Haselnuß- und Oblaten-Lebkuchen haben einen sehr hohen Haselnuß-, Honig- und Nußmarzipananteil. Dadurch bleiben die Lebkuchen lange saftig und frisch. Die Rezepturen sind natürlich nach alten überlieferten Rezepten hergestellt – und Betriebsgeheimnis. Dennoch bleibt in der Herstellung genug Freiraum um die Produkte geschmacklich und qualitativ von anderen Nürnberger Lebkuchen abzuheben. Alle Lebkuchen werden mit feinster Zartbitterkuvertüre oder Mandeln veredelt. Zum Abschluß werden sie liebevoll Stück für Stück mit der Hand verpackt.

Foto: Lebküchnerei Woitinek

Den Beruf des „Lebzelters“ gibt es als Lehrberuf nicht mehr, er wird weitergegeben; „Die Lebküchnerei Woitinek in Nürnberg.“ weiterlesen

Eine Zeitkonserve: Die Konditorei Hollhorst.

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Foto: http://www.haraldschroeder.de

Aus dem Buch „Zeitkonserven – Frankfurter Traditionsgeschäfte“.

„Drei Stückscher Radanekuchen, bitte schön!“ Sorgfältig und vorsichtig wie eine Kostbarkeit packt der ältere Herr den Kuchen ein. „Schon als Kind hab ich den am liebsten gegessen, aber seit die Mutter tot ist, backt ihn keiner mehr, und mir ist nicht bekannt, dass es Radanekuchen außer beim Hollhorst noch woanders gibt. Jedenfalls nicht so gut.“ Um seine Lust zu stillen, fährt der rüstige Mittsiebziger zweimal im Monat von Dreieich nach Frankfurt. „Dann hat der süße Zahn wieder seine Ruh“, sagt er. Der so gelobte Kadanekuchen heißt eigentlich Rodonkuchen. Dahinter verbirgt sich ein Napfkuchen aus gerührtem Hefeteig, mit Sultaninen und Korinthen gebacken und mit Puderzucker bestäubt. Nichts Aufregendes, aber ehrlich im Geschmack. Genau das scheint das Ausschlaggebende zu sein. „Wir haben viele solcher Kunden“, sagt Manfred Anderlohr. Noch. „Eine Zeitkonserve: Die Konditorei Hollhorst.“ weiterlesen

Buchtipp: Zeitkonserven.

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Cover: CoCon-Verlag, Foto: http://www.haraldschroeder.de

„Oft wirken die Geschäfte wie aus der Zeit gefallen. Nicht nur, was die Inneneinrichtung betrifft, die nicht selten seit ihrer Gründung unverändert ist. Hier blitzt kein Chrom, hier stehen nicht meterweise Glasregale und hier werden keine Eyecatcher am Eingang platziert. Stattdessen nimmt man sich Zeit für Beratung – man fühlt sich dem Kunden verpflichtet. Dieser Mikrokosmos kleiner Läden wirkt in der Metropole Frankfurt wie eine Zeitkonserve, die der Schnelllebigkeit und Kettenmentalität bis jetzt unbeirrt standgehalten hat.“

Mit diesen Sätzen beginnt das jüngst erschienene, bildreiche Buch „Zeitkonserven – Frankfurter Traditionsgeschäfte“ aus dem Hanauer CoCon-Verlag. In den nächsten Wochen werden wir, mit freundlicher Genehmigung des Verlages, hier im Blog einige Läden daraus vorstellen. „Buchtipp: Zeitkonserven.“ weiterlesen

Die Kollektion der alten Läden.

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Foto: http://www.heinz-boemler.com

Im niederrheinischen Goch lebt ein Puppenspieler. In einer denkmalgeschützten Mühle. Was das mit Slowretail zu tun hat? Viel, denn Heinz Bömler sammelt alte Ladeneinrichtungen. Etwa vier dutzend hat er schon, quer durch alle Fachgeschäfts-Branchen und schart sie auf dem weitläufigen Anwesen der Viller Mühle um sich. Wenn er sie nicht gerade als Kulisse an Filmproduktionen vermietet hat oder auf Events in ganz Deutschland mit ihnen unterwegs ist.

Eines der dienstältesten Exponate ist der Süsswarenladen von Frieda Schnupp, anno 1904. Ihm fehlt an Authentizität nur noch Frieda selbst, die vermutlich den Großteil ihres Lebens in diesem Laden mit zeitlosem Sortiment verbrachte. Einem anderen Schmuckstück, Joseph Goldstaubs Glanzbildladen, wurde die geschäftliche Grundlage entzogen: Glanzbilder gibt es fast nicht mehr und es wäre wohl frevelhaft, diesen Tresen heute mit überteuerten Pokémon- oder Match Attax-Sammelkarten zu bestücken. Schön an der Gocher Ladensammlung ist, daß die Läden mit ihren originalen Produkten gefüllt sind und damit ihre Bestimmung als „Warenträger“ bestätigen. Besonders eindrucksvoll ist hier der Eisenwarenladen, dessen alte Bretter vor Eisen- und Haushaltswaren nur so strotzen.

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Foto: http://www.heinz-boemler.com

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